Die Karawane zieht weiter

Dezember 6th, 2006

Der Blog ist umgezogen.

Neue Adresse : https://generaldaniels.wordpress.com/

Hier passiert jetzt gar nichts mehr 🙁 

 

 

Advent – … when the smoke is going down 3

Dezember 6th, 2006

Sonntag minus 1 – 1 HĂ€lfte des Tages – Die letzten Vorbereitungen

Ich bin zu vereinbartem Termin an vereinbartem Ort. Kommandozentrale am kleinen Teich. Diesmal muss ich aber nicht am TorwĂ€chter vorbei, diesmal kommt mir der ganze Tross bereits entgegen. Auf geht es wieder zum Ort des Geschehens, wo am Abend das Unausweichliche geschehen wird. Wir wollen unseren Vorteil wahren und das Schlachtfeld so prĂ€parieren, das wir die geografischen Gegebenheiten derart geschickt zu unserem Vorteil nutzen, um den Gegner in einen Hinterhalt zu locken. Nur so, glauben wir, werden wir den Hauch einer Chance haben, das vor uns Liegende halbwegs heil zu ĂŒberstehen. Jeder Einzelne von uns weiß was das heißt : Soundcheck – Das böse Wort mit den 10 Buchstaben. Da stehen wir nun Reiner, Ralf, Gösta, Claus und meine Wenigkeit und erwarten den Zeremonienmeister fĂŒr diesen Teil der Vorbereitungen. Ihm eilt der Ruf voraus seine Aufgabe Ă€ußerst sorgfĂ€ltig abzuwickeln und um das zu erreichen, geht er mit brutalster RĂŒcksichtslosigkeit zur Sache. Der Herr der Tausend Knöppkes: DocMarc himself betritt die Szenerie. WĂ€hrend wir uns auf die bevorstehende Aufgabe mental vorbereiten. Hierzu verwenden kleine Übungen die den Körper und Geist in Einklang bringen sollen: Transzendentale Meditation im Schneidersitz, Schattenboxen nach dem Ritus der Jedi-Ritter, Laufen ĂŒber glĂŒhende GummibĂ€rchen und natĂŒrlich das Abhören der Bandhymne „Lebt denn der alte Holzmichel noch“.

WĂ€hrend wir noch mit der Einstimmung auf den Soundcheck beschĂ€ftigt sind, hat sich bereits von Allen unbemerkt das Amazonen-Geschwader aufgemacht die andere Geheimwaffe des Abends vorzubereiten. Die Tische werden in die strategisch richtige Ausgangsposition geschoben. Mit ca. 5 Tonnen GrĂŒn und Bunt wird mittels Kerzen und anderer christlicher Symbolik eine Tarnung angebracht die durch den so entstehenden weihnachtlichen Gesamteindruck die spĂ€ter einlaufenden Massen geradezu automatisch entwaffnen wird.  Was soll ich sagen – Super. Wenn wir hier keine UnterstĂŒtzung hĂ€tten, na dann gute Nacht. Die wichtigsten Dinge geschehen immer von Allen unbemerkt. Und auch auf diese Helfer wird noch eine weitere Aufgabe lauern – aber dazu spĂ€ter.

Mittlerweile Steht Ralf in den Startlöchern, bzw. sitzt an seinem Schlagzeug (tschuldigung) Drum. Die Bass-Drum (Pauke 1) wird eingestellt. LĂ€uft prima. Nach 30 Minuten hört sich das Ding an als ob Clementine mit einem alten Kochlöffel auf einen leeren Ariel- Karton eindrischt. Die Unruhe wĂ€chst – DocMarc bleibt cool „Ich habe letztens eine SchĂ€deldecke mit einem Treibhammer geöffnet. Das hatte sich zunĂ€chst auch so angehört“ Spachs, drehte einen kleinen geheimen Knopf und siehe da, heraus kam ein knackiger Punch (Das was beim Disco-Besuch immer so schön in die Bauchnabel kribbelt hat) wie es sich gehört fĂŒr eine ausgewachsene Bass-Drum. Nun die 2te Bass-Drum,  und die Snare (das, was der Spielmannszug-Trommler  immer waagerecht vorm Bauch trĂ€gt) – Fertig nach nur 1,2 Stunden. Neuer Rekord.

Reiner ist der nĂ€chste. Er hat seine GeschĂŒtze schon in Stellung gebracht und heraus kommen die ersten Salven. Erst ohne PA (Das ist die Kurzbezeichnung fĂŒr die riesigen, aufgetĂŒrmten Schachteln, rechts und links von der BĂŒhne die laut machen) , dann mit PA: Schön und laut. Jetzt Claus: Schön und weniger laut. Jetzt Gösta: Laut.  ……..ja – und auch schön. PA runter und den BĂŒhnensound einstellen. Alle zusammen zwo drei vier. Als das zusammengeht wird die PA wieder hochgefahren. DocMarc absolviert mittlerweile ein Marathontraining, da sein Arbeitsplatz quasi hinter der BĂŒhne, der Bereich wo er seine Arbeit aber beurteilen kann, vor der BĂŒhne ist. Nach einer Weile steht das Ganze.

Dieser Abschnitt ist ĂŒberstanden jetzt kommt noch die Königsdisziplin. Gesangsmikros und um die Sache noch ein bisschen komplizierter zu machen, mein kleines Spielzeug mit den vielen Knöpfen. Gesangsmikros haben die Aufgabe den leisesten Teil einer Band hörbar zu machen. Da keine Hilfsmittel wie VerstĂ€rker oder Schlaghilfen  genutzt werden können, ist ein dĂŒnnes Stimmchen halt einsam und verlassen und braucht gewaltige UnterstĂŒtzung. Jetzt ist allerdings das Problem, das ein laut aufgerissenes Mikro auch noch die anderen, bereits lauten Instrumente einfĂ€ngt. Und hier beginnt das Problem, das sich zumeist in einem infernalischem Gepfeife darstellt. Pfeifen heißt in diesem Falle Feedback oder RĂŒckkopplung. Pfeifen ist auch ein Feedback seitens des Publikums um sein Unwillen auszudrĂŒcken. Ich hoffe beide Arten von Feedback können wir heute UnterdrĂŒcken. Das technische hat DocMarc jedenfalls relativ schnell im Griff, auch wenn mein kleines knopfbewehrtes KĂ€stchen zu meinen FĂŒssen ihm einige neue Graue Haare beschert hat.

Es ist 14:30 noch 5 Stunden 30 Minuten. Der Countdown lĂ€uft. Jetzt gilt es nur noch die TĂ€uschungs-Utensilien anzubringen. Lustige Lichter in allen Farben, die blenden sollen und bei Fluchtbedarf einfach abgesenkt werden um den Schauplatz in Dunkel zu tauchen. Als besondere Geheimwaffe haben wir diesmal, um einen möglichen RĂŒckzug zu sichern, einen Nebelwerfer Typ Avalon. Ein Knopfdruck und wir haben die Original Smog-Situation wie ein typischer Sommertag in Los Angeles. Groovy.

Mittels Teppich und dem materialisierten Zaubertrank und Allheilmittel aller Mucker, dem Gaffa-Tape (eigentlich Textilklebeband, aber das klingt langweilig) werden noch die Fallstellen kaschiert und das war es dann. Wir haben Alles was uns möglich war getan. Jetzt kann nur noch der Mucker-Gott das Schicksal lenken.

Wir trennen uns noch einmal um jeder fĂŒr sich die mentale Vorbereitung auf den Abend vorzunehmen. NĂ€chsten Treffen 18:00 Uhrenvergleich und Ab.

Advent – … when the smoke is going down 2

Dezember 5th, 2006

Sonntag minus 2   13:30 Uhr. Der vereinbarte Termin. Der vereinbarte Ort. Jetzt gilts, die Operation lĂ€uft an. Treffpunkt Generalhauptkommando Seesen Nord/West –  Kirchberg – da wo der Teich zu Ende ist und der große, immer volle Wagen vor der TĂŒre steht. Noch bevor ich das abgestimmte Klingelsignal (Je taime in G-Dur) morsen kann, springt mir Janus der TorwĂ€chter entgegen. Schau an, die reißende Bestie hat eine eigen TĂŒr in der TĂŒr. Raffiniert – eine bessere FrĂŒhwarnstufe habe ich nie bisher gesehen. Gut das ich die Parole kenne um die Gefahr zu bannen „Na du Zwerg, ist Herrchen zu Hause“. Kaum ausgesprochen verwandelt sich der Werwolfgleiche Angreifer zurĂŒck in seine Tarnung, einen Zwergrauhaar  der niedlichen Sorte. Mittlerweile hat man mein Kommen bemerkt und ich konnte eintreten. Schau an , der TorwĂ€chter hat noch andere Tricks darauf. Soeben hat er sich in eine grau-getigerte Katze verwandelt – Genial. Egal. Gösta und Olli sind bereits vor Ort. Sie waren bereits am Vormittag unterwegs gewesen die Anlage zu beschaffen. Inkognito aber legal. Den Turmbau zu Babel habe Sie bereits auf das Schlachtfeld geschafft. „Rainer schlĂ€gt rĂŒcklings wenn er die Teile sieht, aber die hatten nicht Kleineres!“  Der arme Kangoo der den Kram samt HĂ€nger von Goslar nach Kirchberg knechten musste tut richtig leid. Claus kam mittlerweile auch hereingeschneit so dass die erste Angriffswelle laufen konnte.

Ortwechsel. Das erste Mal seid einem Jahr zurĂŒck in den heiligen Hallen des Kornspeichers. Hier soll es also passieren. Die Iden des MĂ€rz, die Schlacht um den Elbenwald, das Konzert der Konzerte. „Haben wir den ĂŒberhaupt schon ein Paar Karten verkauft, damit sich der ganze Stress lohnt?“ Gösta sagt „ja“ ich frage „wieviel?“ Gösta sagt „Ausverkauft“ Ich sag „Gösta“ er sagt „Wot“ ich sagt „Gösta“ er sagt „Wot“  Ich sag „G…“  Schluß, es geht mit mir durch. (Zuviel 80er Pop-Mucke gehört in letzter Zeit. Sorry). „Ausverkauft !!!“  Welch Wohlklang dieser Worte, wir, die kleine tapfere Band aus dem Vorharz sind „Ausverkauft !!!“. Keine Maus geht mehr rein. Nicht eine, nicht mal ne kleine, Nicht mal der kleinste zwergenwĂŒchsige Schwippschwager einer Maus geht mehr rein. Andere haben fertig wir haben „Ausverkauft !!!“ Nullo, Niente; Nada, Nichts geht mehr rein. Ausverkauft !!! Lasst uns niederknien selbiges zu preisen . „Ausver…“- Tschuldigung.

ZurĂŒck zu unserer Mission. Es gibt Probleme in der Abstimmung. Erst der Nachschub oder erst die Palisaden. Die funktionierende Logistik beantwortet die Frage. Der Proviantmeister steht vor der TĂŒr und erbittet Einlass. Es kommt wie es kommen musste: Das Bier und zwar gekĂŒhlt. In einem großen BehĂ€ltnis. Der KĂŒhlwagen bewahrt uns davor den ganzen Kram gleich in die HĂŒtte zu schaffen. Ein Cleverle der Gösta: Ja wenn es darum geht Arbeit aus dem Weg zu gehen, da weiß er wo der Hammer hĂ€ngt. Der kostbare AnhĂ€nger wird strategisch in Position gebracht und getarnt. Man weiß ja nie. So, auf geht’s nach Seesen, die BĂŒhne muss geholt werden. Zuvor noch rasch das locker drapierte Mobiliar zur Seite rĂŒcken und Platz fĂŒr das Epizentrum schaffen und schon geht es los.

Das Einladen der unhandlichen BĂŒhnenteile geht immer nach dem gleichen Ritual (Das muss so sein, um den Gott des Performing gnĂ€dig zu stimmen – Was besonders bei unserem BĂŒhnen-Derwisch Claus immer von Vorteil ist).

SchlĂŒsselmeister rufen. Parole sprechen „Wieviele diesmal“ „Acht“ „Große FĂŒĂŸe“ „Nein, die Kleinsten“ “Damit wollt Ihr das transportieren“ „Logo“ „OK“. Nachdem dieses Einstiegs Mantra erfolgreich absolviert wurde, kommt der  körperbetonte Teil. Das erste Objekt wird von 2 Personen genommen und zum Fahrzeug getragen um dort mit möglichst ungelenken Bewegungen abgelegt zu werden. Das nĂ€chste Objekt wird auf gleiche Art und Weise bewegt allerdings wird hier bei Aufeinanderlegen noch das eine oder andere Körperteil gequetscht. Auch dies gehört zur VollstĂ€ndigkeit diese wichtigen Rituals wie ĂŒbrigens auch das permanente aussprechen von leise vorgetragenen Zauberformeln wie: „Scheiße sind die Dinger schwer“ oder „Warum kann ich mir eigentlich kein anstĂ€ndiges Hobby suchen“.

Das Ausladen und Aufbauen bereitet natĂŒrlich genauso viel VergnĂŒgen und so geht die Arbeit leicht von der Hand.

So, PA und BĂŒhne sind vor Ort. Trinkbares ist vorhandenÂŽ. Nun noch die „Backline“ holen. Bei Musikern ist das genau wie im EDV Bereich. Alles braucht seinen Fachbegriff. Eine Backline besteht, wie jeder weiß aus : Sidefills, Wedges, Amps, und anderem  nĂŒtzlichen Zeugs. Nicht zu vergessen das Rack mit dem Delay und das Drum, den Mikes und noch vielen anderen Dingen die auch noch solch lustige Namen haben. GlĂŒcklicherweise brauchen wir aber auch noch Dinge die ich ohne Handbuch „Mucker-Deutsch, Deutsch-Mucker“ identifizieren kann. Lampen und die zugehörigen StĂ€nder, Gitarren, schwarze TĂŒcher die man an die Wand hĂ€ngt damit das schön aussieht usw. aber auch das gehört halt zur „Backline“ . Rin in den Wagen und ab nach Kirchberg.

Rainer und Ralf sind mittlerweile auch aufgetaucht und stecken lustig die angeschleppten Einzelteile zusammen, das es, so glauben sie, hinterher wieder schön aussieht. Ach ja, klingen soll es auch aber im Augenblick soll es nur funktionieren, denn Soundcheck ist morgen.

Morgen geht’s weiter um 9:30 bei Gösta : Uhrenvergleich und Zapfenstreich

Advent – … when the smoke is going down 1

Dezember 4th, 2006

Dezember der 3te, Sternenzeit 1 nach der Großen Eruption. Logbuch der General-kommandantur, Eintrag 0815. Wir befinden uns im gefĂŒhlsfreien Raum fernab jedweder Zivilisation und umkreisen 3 tief purpurfarbende Monde im Sternenzeichen des Alka Setzer. Das Schiff und die Mannschaft treiben zufrieden durch die Weiten des Rock und Roll Universums  trotz unserer SchĂ€del, die so groß sind wie Planeten die nie ein Mensch je zuvor betreten hat. Die Schlacht war geschlagen und alle Kampf-Spuren waren so weit es ging beseitigt. Keine grĂ¶ĂŸeren AusfĂ€lle zu verzeichnen nur einen treuer Kameraden mussten wie kopflos auf dem Schlachtfeld zurĂŒcklassen – aber dazu spĂ€ter.

Sonntag minus 3 : Trainingslager

„Jungs – Ihr wisst was auf uns zukommt. Ich will das sich Jeder am Riemen reißt und Alles gibt ! Nur wenn  jeder Einzelne ĂŒber sich hinaus wĂ€chst haben wir eventuell eine Chance das zu ĂŒberleben“. Drill-Sergeant Gösta!  wusste uns zu motivieren. Er war sich der Gefahr wohl bewusst in der wir uns befanden und musste deshalb noch mehr als sonst das Training vorantreiben. „Los ran an die GerĂ€te, Ihr faulen SĂ€cke, Ich will was hören !!!“  „Jawoll, Sir Drill-Sergeant, Sir“ kam es wie aus einem Mund, aber das war es nicht was er hören wollte. „Und.., MĂ€nner ?!?“  Er sah uns auffordernd an und schließlich begriffen wir „Prost, und hau weg die Kacke“ – „Jawoll, so wird das was! Und wenn Ihr fertig seid wollen wir nachher noch ein bisschen Musik machen !!!“  Ja. Ja er hat schon ein gutes Herz und er weiß auch, das wir nach dem harten Training brauchen.

Nach der Pflicht nun die KĂŒr. Es galt die Parole, nur die Sachen ĂŒben die noch nicht so klappen. Wir fangen von Vorne an und spielen die StĂŒcke wo noch Probleme sind, den Rest lassen wir weg. „Entertain.. „ mĂŒssen wir probieren wegen dem neuen Intro. „Walking…“ geht gleich in den Anschluss. Die 2 StĂŒcke sind quasi 1. „Juke Box ..“ ist halbwegs neu, muss noch mal aufgefrischt werden …. Moment mal wir spielen ja fast das ganze Programm.  Ralf drĂŒckt auf die Tube und setzt den Rotstift an. Das – Nö, Das – Nö, Das – … usw. Letztendlich haben wir im Schweinsgalopp dann doch noch unsere Problemzonen identifiziert und durchgespielt. Alles lĂ€uft letztendlich auf einen Punkt hin den Alle schon insgeheim befĂŒrchtet haben. Panik macht sich breit und dann passiert es tatsĂ€chlich. „Goodbye“ „Oh Gott“ höre ich Claus sagen und Rainer sagt “Kommt Jungs, da mĂŒssen wir durch. Es hilft Nichts“  Was Weihwasser fĂŒr den Teufel, Fleckenentferner fĂŒr einen Original Picasso, oder alkoholfreies Bier fĂŒr Gösta sind, das ist ein Pop Song fĂŒr eine Rockband : Ein Martyrium. An dieser Stelle hört man Ralf immer sagen „… und das schwule Entertain you muss auch raus!“ Harte MĂ€nner bei der Arbeit, da fliegen die Fetzen. Aber wenn das Lied dann lĂ€uft werden die harten Kerls ganz sanft und gehen in sich. Zumindest sieht es so aus wenn sie verzweifelt versuchen sich die Noten und die AblĂ€ufe in das GedĂ€chtnis zu rufen.

So, auch das ist geschehen und jetzt heißt es die Anlage fĂŒr den Transport in die Schlacht vorzubereiten. Ich weiß nicht warum die Anderen sich so anstellen. Ich habe damit keine Probleme . Ich nehme mein Mikro. Packe es in den Koffer und fertig – Ready to go. So geht das – Also hört auf zu jammern Ihr Memmen. Nehmt Euch ein Beispiel an mir.

Morgen geht’s weiter um 13:30 bei Gösta : Uhrenvergleich und Zapfenstreich.      

 

Oh du fröhliche – oder : der Kampf um Geld-Mittel-Erde

November 30th, 2006

Die Wolken verdĂŒstern sich, die Tage werden kĂŒrzer und die QuecksilbersĂ€ule zeigt 20 Grad plus. Ein untrĂŒgliches Zeichen. Es kommt die Weihnachtszeit und mit ihr die Ruhe und Besinnlichkeit die nun einmal angebracht scheint, wenn demnĂ€chst  wieder die rituelle Geschenkeverteil und –umtausch-Aktion seinen Höhepunkt erreicht. Kinderaugen strahlen, oder sehen zumindest so aus, wenn die tiefen, roten AugenrĂ€nder, die die an Spielekonsolen durchkĂ€mpften NĂ€chte dokumentieren, im Kerzenschein leuchten  . Ein Duft von Zimt, Apfel, Absinth und anderen sĂŒĂŸlichen, nicht nĂ€her identifizierbaren GerĂŒchen durchstreift die geschmĂŒckten Wohnungen. Eine dezente Illuminierung der Wohnungen und GĂ€rten umschmeichelt den Betrachten mit den herrlichsten Farben. Sanftes Rosa, beruhigendes Umbra, erhabenes Neon GrĂŒn, und ein unmerklich, aber permanent, auf- und abblendendes Ensemble aus Lila, SchlĂŒpfer-Gelb, und  Kack-Braun veranlasst unweigerlich zum TrĂ€umen .

Geschenke. Immer wird gegen Mitte des Jahres gesagt: Dieses Jahr schenken wir uns nichts. Abgemacht – Gute Idee. Aber ehrlich, wer wirft den ersten Stein. Ich nicht. Ich stehe nicht mit leeren HĂ€nden da wenn es heißt: Guck mal fĂŒr Dich. – Ein Teufelskreis. Na ja, Gott sei Dank hat man ja Nikolaus zu Testen was passiert wenn es nichts gibt. – jedenfalls theoretisch. Also : Kreativ sein oder der Werbung folgen? Hat mal jemand mitgezĂ€hlt wie viel ParfĂŒm-Werbung zur Zeit in einem durchschnittlichen Werbeblock lĂ€uft ? Bestimmt  11 von 10. Soll das heißen das der heiße Trend dieses Jahr bei Weihnachtsgeschenken ParfĂŒm ist. Im Gegensatz zu letzten Jahr wo es, glaube ich ParfĂŒm war. Davor kann ich mich nicht mehr erinnern – Ich werde halt auch nicht jĂŒnger. Nein. Ich glaube ich kaufe gegen den Trend : ParfĂŒm.  Man(n) will sich ja nicht nachsagen lassen man sein nicht einfallsreich.

So, das Problem wĂ€re gelöst. Also auf zum Weihnachtsmarkt. Es ist schließlich schon November und die Auslagen in den SupermĂ€rkten haben ein ja schon seid 3 Monaten heißgemacht auf GlĂŒhwein und Bratwurst. Rein ins GetĂŒmmel. Dieses Jahr kĂŒhlt der GlĂŒhwein ja nicht so schnell runter, da die Außentemperatur nur 2 Grad unter der des leckeren GetrĂ€nks liegt. Ist auch viel besser fĂŒr die Energiebilanz bei der Herstellung. Anstatt teure Energie zur Erhitzung zu verbraten, braucht man das Tetrapack nur kurz aus dem KĂŒhlschrank nehmen ein bischen Reibung und die Außentemperatur tun den Rest. Das freut mein grĂŒnes Gewissen – da trinke ich doch beruhigt einen Liter mehr.

„Ach ja – Schön ist die Weihnachtszeit – und nĂ€chstes Jahr feiere ich garantiert irgendwo weit weg in einem arabischen Land“ – Oder haben die dort etwa auch so was ?

RTL – Die RĂŒckkehr der Boxenden Leichen

November 27th, 2006

Aua – das tat weh. Weniger die SchlĂ€ge die Axel Schulz einstecken musste, sondern die Peinlichkeit die in Eimern aus dem Fernseher quoll und das nicht nur wĂ€hrend der Veranstaltung sondern schon bei der Werbung fĂŒr dieses Pseudo Event. Gut, Boxen ist nicht unbedingt meins – was bei mir generell fĂŒr Sport im Allgemeinen und fĂŒr Sport ohne Netz zwischen den Gegnern insbesondere gilt. Aber das muss es doch nun wirklich nicht sein. Es war ĂŒbrigens lustig wenn man die Fernbedienung in der Hand hatte und zwischen RTL und Sat1 hin und her gezappt hat. Auf dem FilmFilmFilmFilm-Kanal lief nĂ€mlich Markus Profitlich und die beiden sahen im direkten Vergleich wie Zwillinge aus, nur das der eine gerade einen Plastik Fötus jonglierte und der andere im Tekkno Takt den Frack vollbekam. Zeitweise wusste ich nicht auf welchem Kanal ich mich denn nun befand.

WarÂ ĂŒbrigens sehr interessant den Vorab-Trailer von unserm Fackelmann zu betrachten, den RTL wohlweislich eingespielt hat um die Erwartungen der Zuschauer nicht zu hoch zu schrauben. Kampf-Niederlage, Kampf-Niederlage, Kampf-Niederlage. – Die Meilensteine einer Karriere – HĂ€? Welche Karriere. So gesehen, ist er doch am Samstag nur weiter auf seiner Karriereleiter hinaufgeklettert – Kommt immer auf den Blickwinkel an.

Na Ja, egal.  Der nĂ€chte RTL Meisterstreich steht ja demnĂ€chst ins Haus. Unter dem Titel „Die Maske ist des Todes“ zieht ein weiterer Titan des Boxsports in den Ring. The Gentleman macht uns den Axel. Mal sehen was dann auf Sat 1 lĂ€uft. Karl Valentin wĂŒrde passen.

Armes RTL. Die WĂŒste lebt nicht mehr, sie ist mausetot. Kein As im Tennis, nur flĂŒgellahme Adler im SchneehĂŒpfen, kein Superkinn mehr in der Fomel1, Tour de Farce ist nur noch fĂŒr Pharmazie-Werbung zu verwenden und die fallenden Domina-steine klappern auch nur noch mĂŒde auf den Boden – wobei, wer hat sich denn jemals diesen Schwachsinn ernsthaft angesehen. Ein Retter muss her. Ich wĂŒrde mich auch nicht wundern wenn Nikki Lauda, das alte Schlitzohr, wieder ins Cockpit einer Formel 1 Kiste steigt um RTL aus dem Sport Nirwana zu erlösen.  

Nein, ich glaube nur frische  Sportarten, die noch nicht so abgenudelt sind, werden die Wende bringen. Mal sehen, was könnten sich sadistische Redakteure so alles ausdenken ? Reckturnen mit dem Floh, Hunderennen mit Komissar Rex, Schach mit Verona Feldbusch, Sumo-Ringen mit Ottfried Fischer. Alles Quatsch. Rein ins Archiv und die ersten Aufzeichnungen von Boris Becker rausholen. Neues Datum einblenden, aktuellen Kommentar einspielen und als LiveĂŒbertragung ins Sonntagsprogramm. Aus Boris wird kurzerhand Markus Winter und ab geht’s – Kriegt keiner mit. Nur die anderen Sender, die dann natĂŒrlich auch gleich Ihre alten neuen Helden auf diese Art recyceln. Na dann wĂ€ren ja fĂŒr die nĂ€chsten Jahre die Werbeeinnahmen gerettet.

Ich melde den Fernseher ab und konzentriere mich auf die Musik. Prost.

RIP – Gone but not forgotten 1

November 24th, 2006

Da dieser Blog sich mit Allem in, auf und um die Musik herum beschĂ€ftigt – jedenfalls meistens – kommen auch mal die dunklen Seiten des Business zur Sprache. Und dies passiert zum Beispiel jetzt:

2 Lichtgestalten haben sich in den letzten Wochen in die ewigen JagdgrĂŒnde verabschiedet.   Zum einen Buck Page (84) und Danny Flores (77). 2 absolute Meilensteine im UnterhaltungsgeschĂ€ft die fast jeder kennt.  „Ich nicht“ sehe ich schon den einen oder anderen denken und demjenigen sei ein eindeutiges „Doch“ entgegengeschleudert. Diese beiden Namen sind der Beweis , das man mit kleinen Dingen/AktivitĂ€ten Unsterblichkeit erreichen kann. Beispiele außerhalb des Musikbusiness gibt es schon viele : Armstrong hat einen kleinen Schritt getan der der Menschheit einen großen in selbigen versetzt hat. Monica Lewinski hat nur einmal den Mund zu voll genommen und „Zack“ – schon berĂŒhmt. Aber das geht natĂŒrlich nur einmal. Wer einfach nur nachmacht und sich nichts Neues einfallen lĂ€sst, hat auch schon wieder verloren. Nach Armstrong war kein Freigang im luftleeren Raum mehr so interessant dass man sich den SpaziergĂ€nger gemerkt hĂ€tte. Und Paris Hilton musste schon etwas mehr einstecken um ihren Namen zu etablieren.

ZurĂŒck aber zu unseren lieben Verblichenen die, trotz zunehmender VerwesungsaktivitĂ€ten, unsterblich sind und bleiben werden.  

Zeitsprung: Mitte/Ende der Siebziger, Sonntags, spĂ€ter Nachmittag. Im TV verbrennt gerade eine Landkarte und aus dem Off reiten uns 4 Recken entgegen: Hoss, Adam, Little Joe und Pa. Auf zu neuen Abenteuern und ohne Werbung in der Mitte, denn wir sind im Öffentlich Rechtlichen. Untermalt wird diese Szenerie durch eine Musik die durch ein Gitarren-Riff dominiert wird: „Dam Dadadam  Dadadam Dadadam DaDaDa, Dam Dadadam Dadadam Dadadam Dadadam DamDam DaDa“.  Bonanza wĂ€re nicht Bonanza ohne dieses Intro und das war : Buck Page. Dieser kleine Gitarrenpart ist mindestens so bekannt wie die Riffs von „Smoke on the water“, „Highway to Hell“ oder „Der Junge mit der Mundharmonika“ und darum gebĂŒhrt Ihm auch ein Stern in den Analen der Rockgeschichte.

Ähnlich verhĂ€lt sich die Angelegenheit mit den zweiten werten Verblichenen. Ich sage nur „Tequilla“. Das soll jetzt keine Aufforderung sein, sich Salz und Zitrone auf die Hand zu schmieren oder im Garten RegenwĂŒrmer zu suchen, um diese dann in der genannten Substanz zu ertrĂ€nken. Nein, ich möchte an ein Lied erinnern das selbigen Titel hat. Vornehmlich wurde dies in Spielfilmen genutzt die in den 50ern spielten und einen Abschlussball, oder Ă€hnliche Tanzgelage beinhalteten. Üblicherweise wurde bei diesem Lied der spĂ€ter grassierende Tanzwahn im Rudelformationstanz, der Mitte der 70 so gern zelebriert wurde, vorweggenommen. HalbwĂŒchsige Chaoten bewegten sich in merkwĂŒrdig choreographierten AblĂ€ufen durch die Szenerie (Mischung aus Raumpatrouille Orion Afterwork Party und den Plumpsack-Ringelreih aus Kli-Kla-Klawitter) um dann kurzfristig in der Bewegung zu erstarren um das Highlight dieses eigentlich instrumental ausgelegten StĂŒckes zu huldigen : „Tequilla“. Diese tiefe Stimme die die Quintessenz eines ganzen Jahrzehnts auf ein Wort komprimiert hatte gehörte : Danny Flores.

Ich weiß nicht was die beiden Kollegen den Rest der Zeit gemacht haben, aber diese großen Momente Ihrer Schaffenskraft werden ĂŒberdauern. Noch lange wenn auch wir schon die 24 Reinkarnation hinter uns haben, werden Wiederholungen der Bonanza’s  oder Super Hippe Sampler aus der goldenen Zeit des Rock&Roll diese Juwelen in Erinnerung zurĂŒckrufen.

Ich werde mich jetzt jedenfalls kurz zurĂŒckziehen und ein bisschen Gitarre klimpern und/oder wahllos ein paar Wörter rufen in der Hoffnung auch ein bisschen unsterblich zu werden.

The early tapes – letzter Teil

November 23rd, 2006

Part 7  Die Mischung machts – „Knoblauch/Nuߓ oder „KĂŒmmel/Krokant“ ?  

Himmel Hilf, bzw. Olli, laß ein Wunder geschehn’.

2.657 Millionen Spuren mĂŒssen auf HörstĂ€rke verdĂŒnnt werden, sprich es kommt noch etwas Arbeit auf uns zu. Zu diesem Zweck kommt die gesamte Band zurĂŒck an den Tatort. Termin gefunden (Ich staune schon wieder) und alle sind da (Ich staune noch mehr). Alle waren  natĂŒrlich schon auf das was jetzt kommen wĂŒrde vorbereitet. Wir hatten jeder einen Roh-Mix der StĂŒcke, der von Jedem der Beteiligten auch eifrig gehört und bewertet werden sollte. Ich hatte mir die Songs in meinen IPod geladen und dort so oft gehört, dass in der automatisch erstellten Hitliste von ITunes „All_time Charts“ die Spitzenpositionen bis ins Jahr 2045 kaum mehr eingeholt werden können – schon mal ein kleiner Vorgschmack was mit den fertig abgemischten StĂŒcken in den echten Charts passieren wird – Robbie, pass auf wir kommen !!!

ZurĂŒck zur RealitĂ€t:

Das Drum lĂ€uft jetzt solo – Auf geht’s die Mischung ruft : Die Bass-Drum1  braucht noch etwas Bumms – Olli legt Hand an. Snare mit Hall – Olli dreht. High-Hat (heißt es der oder die High-Hat ?!?) ist etwas schrill – Olli sagt das muss etwas höher klingen, das geht bei normalen Boxen sonst unter, aber Olli schraubt. Tom 1 dröhnt etwas – Olli macht. Tom 2 ist etwas zu mittig – Oli bastelt. Tom 3 ….  (Jetzt muss man wissen das Ralf mit seinem Instrument seit 15 Jahren im Guinessbuch der Rekorde steht als Besitzer des grĂ¶ĂŸten Drumkits des Universums. Er hatte damals, als er von  Hamburg wegzog um die große, weite Welt zu erleben, seinen Krabbenkutter erst gegen ein Fesselballon, diesen gegen ein original indianisches Wigwam aus Otter-Fell und letzteres schließlich gegen das heutige Schlagzeug eingetauscht. „Ralf im GlĂŒck“ ist seit diesem Tag stolzer Besitzer und Transporteur eines 7.849- teiligen Drumsets incl. Double, Tripple und Quatro-Bass. Ein weiterer Tausch gegen einen Starschnitt der Kelly-Family scheiterte in letzter Minute. GrĂŒnde wurden nicht ĂŒberliefert –  Anm.des Authors).  Woops – schon fertig. So jetzt mal das ganze Drumset laufen lassen. LĂ€uft. Oh, die BassDrum1 hat jetzt etwas zu viel Bumms – Olli ……  Na ja, letztendlich war Ralf zufrieden und das Ganze ging dann doch recht schnell ĂŒber die BĂŒhne. Jetzt Gösta’s Bass. Erst alleine und dann zusammen mit dem Drum. Olli weiß was zu tun ist und wir geben unseren Senf dazu. So geht das Ganze ĂŒber alle Instrumental Spuren : Rhythmus Gitarre 1-13, Solo Gitarre 1-256, etc bis der Instrumental-Mix allen Anwesenden zusagt.  

Nun der Gesang. Ein Segen sind die vielen kleinen technischen Spielereien die man so einer Stimme angedeihen lassen kann. Hall, Gate , Frequenzkorrektur (keine Tonhöhen-korrektur – ich bin empört das man mir so etwas zutraut), Ovomaltine, DesoxiribonucleinsĂ€ure, Mopsgeschwindigkeit, Wiener Apfestrudel, Delay und all das was die Raumfahrt halt als Nebenprodukt bei der Kontaktaufnahme mit Außerirdischen so entwickelt hat.

Ich klinge wie, wie, wie – der Name fĂ€llt mir nicht ein, egal – aber kommt gut. Jetzt noch die Background-Spuren. Dummerweise habe ich versucht bei „Perfect Stranger“ kreativ zu sein und habe einen Mini-Kanon mit mir selbst gesungen (Schizophrenie pur), wie ich finde, jetzt wo ich es auf der Aufnahme höre, völlig unnötig. Die Anderen wollen es behalten. Mist. Egal Olli macht das schon. 

Diese Zeremonie wird jetzt mit jedem StĂŒck gemacht und dieser Prozess dauert mindestens genau so lange wie das Einspielen benötigt hat. Aber am Ende hat sich die gesamte Arbeit dann doch gelohnt. Wir hatten eine Menge Spaß. Wir haben Erfahrungen gesammelt die wir gerne einmal wiederholen wollen – und wenn dann bestimmt auch wieder bei Olli.  Ich konnte meine Vorurteile „Aufnahmen sind nur Zeitverschwendung“ komplett revidieren (Allerdings sollte man das in solch einen Rahmen machen  und nicht mit ein paar Mikros im Muckeraum – Auch wenn es etwas Geld kostet).

Und wir haben 4 Aufnahmen im Kasten die sich hören lassen. Mal sehen wie wir die jetzt an den Mann/die Frau bringen.  

The End    gez.  Rosamunde “Brosi“ Pichler

The early tapes – Teil 6

November 22nd, 2006

Part 6  Dr.Music – Wenn Beethoven doch nur Hören könnte

Nachdem der Claus seinen Part erfolgreich durchgezogen hatte war die Pflicht getan und Rainer konnte zur KĂŒr schreiten. „Ich hab da mal was vorbereitet“. Sprach’s und orderte gleich 2 dutzend Spuren fĂŒr Gitarren. Wir nahmen schon an, dass er jede Saite einzeln auf eine Spur legen wollte, aber nein – weit gefehlt. Erst mal 2 Spuren Rhythmus zum warm machen. So’ne andere Stimme zu dem was Claus gespielt hat. Das natĂŒrlich auch wieder doppelt, wegen der FĂŒlle und so. So jetzt dort und dort, da und noch mal da ein kleines Lick als WĂŒrze, so wie der Blackmoore das bestimmt auch gerne gemacht hĂ€tte. Ach, da kann auch noch was hin. Aber nicht so laut, das soll nicht so dominant sein, nur so ein kleiner Farbtupfer am Rande.Nachdem McGyver dann die Farbpalette wieder zur Seite gelegt hat, ging es an die gesangsfreien Teile :

Intro: Mist, das muss beim Einspielen genau zum Timing des  StĂŒckes passen. Dummerweise kein Drum das den Takt vorgibt. Ob man Recht hat oder nicht sagt Dir nicht das Licht, sondern der verspĂ€tete Einsatz der Band.

Also Gut:        Versuch 1. – Nochmal.

                      Versuch 2. – Schon prima, aber noch nicht ganz

                      Versuch 3. – Fast

                      Versuch 4. – Passt scho’ – Den Rest machen wir beim Mischen

Solo Mitte : Ist eigentlich keins drin, sondern nur ein prĂ€gnanter Rhythmus-Teil, aber auch da hat unser Wicky eine Idee.  Gesprochen und ausgefĂŒhrt in einem Take.

Solo Ende : Hier ist der Meister noch ein wenig unschlĂŒssig ob der Architektur der Töne die am Ende des Opus ertönen solle. Also, der Part kommt in eine Endlosschleife und Rainer improvisiert Runde fĂŒr Runde. Alle Ergebnisse werden mitgeschnitten und am Ende steht die Qual der Wahl. Auch hier war wieder real praktizierte Demokratie hilfreich bei der Entscheidung. Wie schon bei der Auswahl der StĂŒcke war schnell der beste Take gewĂ€hlt. Harmonie in höchster Vollendung. Es hatte wohl doch geholfen, das der Bohnenkaffee am Morgen durch Kaffee Hag ersetzt wurde.

So oder Ă€hnlich lief das auch fĂŒr den Rest der StĂŒcke ab, wobei dort mehr oder weniger Spuren eingesetzt wurden.

Jetzt musste Gösta nur noch den Bass einspielen. Der einsame Wolf hatte sich extra einen speziellen Termin geben lassen um einmal so richtig seinem kleinen Gustav (so nennt er sein Instrument) die Flagoletten (die Königsdisziplin) zu entlocken. Kein Wunder das er dabei allein sein wollte. Da ich der Wahrheit, und nichts als der Wahrheit verpflichtet bin, kann ich demnach auch nichts Detaillierteres ĂŒber diesen Akt der Vollendung berichten – aber mal ehrlich, wer wollte bei so was schon dabei sein !!!!

Klappe zu – Affe tot. Die Aufnahmen sind getan. Im Mixer ist schon Alles. Jetzt muss nur noch gerĂŒhrt und/oder geschĂŒttelt werden. 

The early tapes – Teil 5

November 21st, 2006

Part 5 : Duelling Banjos : Wie aufregend ist das Axman-Leben,  Faria Faria Ho

Jetzt kommt endlich die 6 Saiten-Fraktion zum Einsatz, die  in den bisher vergangenen 4,5 Stunden nur mehr oder weniger lethargisch auf den locker verteilten Sitzensembles rumgelĂŒmmelt hatte. Tja wenn der Kuchen singt, mĂŒssen die KrĂŒmel Konditoren schweigen. Unglaublich wie ein bisschen Singerei in engen RĂ€umen das SelbstwertgefĂŒhl immens steigert, wenn man wieder rausgelassen wird. Manche SĂ€nger werden ja dort auf ewig lebendig versiegelt – oder hat schon mal jemand wieder was von Olli P gehört ?

Aber jetzt kommt die große Stunde – Die Röhren der VerstĂ€rker werden vorgeglĂŒht, die Plektren in Talkum-Puder gewendet und in die eingewachsene Vorrichtung zwischen Zeigefinger und Daumen geklinkt. Der rechte Arm wird zur Ausgangsstellung der legendĂ€ren Pete Townshend WindmĂŒhle erhoben. Die Spannung die in der Luft liegt lĂ€sst das einfache Atmen erscheinen als ob man gerade auf einem ĂŒber 10.000 Meter hohen Gipfel dĂŒnne Luft atmet, wĂ€hrend der Jeti in einen kleinen schwarzen Body eine schöne Tasse „Reinhold Messmer“ Tee serviert. Claus und Rainer sind bereit fĂŒr die Aufnahme ihres Lebens alles zu geben. Alles wartet auf den erlösenden AnzĂ€hler aus den Boxen und dann kommt es: „Zuerst der Klaus mit dem Tak Tak Tak, bitte 5 mal hintereinander, damit wir das nicht einfach nur doppeln mĂŒssen.“  Aus der Traum des Gitarrenduell in Lichtgeschwindigkeit. Oli sagt was geht und es geht –  Rainer, denn der kommt erst spĂ€ter dran.

Claus kann jetzt aber alles rauslassen was er hat – er kann sich voll entfalten denn er darf den Rhythmus – Part von „Perfect Stranger“ in einem Take durchspielen und das nicht nur einmal, nein 5mal oder so. Heissa, das macht Freude. Claus strahlt. Aber er wĂ€re nicht Claus wenn er es nur einfach bei der soliden Gitarrenarbeit belassen wĂŒrde. Nein, wie man es von ihm auf der BĂŒhne nicht anders kennt, ist er schon bei den ersten Takten dabei den Rhythmus mit dem Bein mitzustampfen. Bereits nach dem Intro steht er beitbeinig vor seinem VerstĂ€rker und wiegt in guter alter Status Quo Boogie Manier von Fuß zu Fuß, wĂ€hrend seine wallende MĂ€hne den Gitarrenhals bedeckt und das Sustain seiner stĂ€ndig vibrierenden Saiten noch um ein Vielfaches verstĂ€rkt. Nach dem 2ten Refrain gibt es fĂŒr Ihn kein Halten mehr. Da wir das bereits von der BĂŒhne kennen, haben wir wohlwissend schon einmal alle zerbrechlichen GegenstĂ€nde aus dem Fenster geworfen. Besonders Oli’s RegiestĂŒhle, die ihm ĂŒber Alles  heilig sind,  sind in Sicherheit gebracht.  Da, jetzt passiert es . Claus macht den „Chuck Berry walk“ aber nicht die einfache Variante, nein bei Ihm sind AnsĂ€tze von Jacksons Moonwalk und einem Purzelbaum enthalten. Er nutzt dabei den gesamten Raum den das Studio bietet. Jetzt da er in der Ă€ußersten Ecke angekommen ist, nimmt er Anlauf und rutscht auf seinen Knien entlang des Mischpultes, vorbei an der Kaffeemaschine und der Plasma-Leuchte und kommt mit dem Schlussakkord direkt vor seinem VerstĂ€rker zum Stillstand. Ein GlĂŒck ist das StĂŒck nur 4,5 Minuten, ansonsten hĂ€tte er sicherlich mit einem seiner typischen Stage-Dives geendet – was hier im 8ten Stock sicherlich problematisch bei der Aufnahme gewesen wĂ€re- da das Kabel bestimmt nicht bis unten gereicht hĂ€tte. Ja so ist Claus. So und jetzt das Ganze wie gesagt noch 4 mal.